2024
2024
Poetry in Motion 3
Heft 3 übergebe ich in Okzitanien, während einer schönen Begegnung in einem kleinen Dorf in der Nähe von Cahors, am 22.05.2024 persönlich. Erster Eintrag ist ein Gedicht von Arseni Tarkowski, der am 27.05.1989 gestorben ist.
AUCH DER SOMMER VERSCHWAND
Als hättes ihn nie gegeben.
Sonne wärmt noch den Sand.
Aber das ist zu wenig.
Was ich wollte, gelang,
Leicht, wie Blätter sich legen
Fünfgezackt in die Hand
Aber das ist zu wenig.
Gutes, Böses verschwand,
Nichts geschah mir vergebens,
Alles hat hell gebrannt.
Aber das ist zu wenig.
Seine schützende Hand
Über mich hielt das Leben,
Hab das Glück gut gekannt.
Aber das ist zu wenig.
Und kein Blatt ist verbrannt
Und kein Ast brach, und Regen
Hat der Tag mir gesandt.
Aber das ist zu wenig.
(Arseni Tarkowski, 1966-1968, Übertragung: Katja Lebedewa)
© Foto: Jane Wegewitz, 05/2024
Poetry in Motion 2
Heft zwei mit einem ersten Gedicht von W. G. Sebald, er wäre am 18.05.2024 80 Jahre alt geworden, lege ich am 19.05. auf dem Friedhof in Portbou auf eine Bank, gegenüber der Grabstelle Walter Benjamins.
SCHWER ZU VERSTEHEN /
ist nämlich die Landschaft, /
wenn Du im D-Zug von dahin /
nach dorthin vorbeifährst, /
während sie stumm /
dein Verschwinden betrachtet.
(W. G. Sebald)
© Fotos: Jane Wegewitz, 05/2024
Poetry in Motion
Drei Hefte gehen von Frankreich und Spanien aus auf Reisen. Mit der Einladung, Gedichte hineinzuschreiben. Heft 1 startete am 10.05.2024 in Salins les Bains, ausgelegt auf einer Bank in der Kirche Notre-Dame Liberatrice. Die erste Eintragung ist Gary Snyders HOW POETRY COMES TO ME, anlässlich und zu Ehren seines 94. Geburtstags am 08.05.2024.
HOW POETRY COMES TO ME
It comes blundering over the
Bolders at night, it stays
Frightened outside the
Range of my campfire
I go to meet it at the
Edge of the light.
(Gary Snyder)
2023
2023
Notizen vom Rande 7: Hängengeblieben.
© Foto: Jane Wegewitz, 23.03.2023
Notizen vom Rande 6: Februar
© Foto: Jane Wegewitz, 07.02.2023
21.01.2023 Vortrag „Gehorsam verweigert — Aspekte jüdischen Widerstands am Beispiel ehemaliger Leipziger Familien“ (Leipzig, Soziokulturelles Zentrum "die VILLA"), anlässlich der Präsentation von Christoph Wilkers Buch "Die unbekannten Judenhelfer. Wie Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus jüdischen Mitmenschen beistanden."
2022
2022
Notizen vom Rande 5: 16.03.2022 - Inkrafttreten der einrichtungsbezogenen Impfpflicht
Notizen vom Rande 4: Frühjahrsputz oder Bekenntniszwang?
05.03.2022. Zehn Tage Krieg in der Ukraine, Müllentsorgung Kleingartensparte Deutschland.
Man könnte meinen, die Russen würden nicht nur von deutschen Bühnen und aus den Regalen von Supermärkten und Discountern, sondern auch aus den Gartenlauben entfernt, im konkreten Fall trifft es „Puschkin“. Aus „Solidarität“ (Mit wem genau?) und „Zeichen setzend“ (???) hat so mancher Händler den Wodka wie auch andere Waren russischer Herkunft inzwischen aus den Kaufhallen verbannt und angekündigt, diese wohltätig zu spenden. Man möchte nicht verzichten aufs Stück vom „Boykott!“-Kuchen und Unternehmen „in den Händen russischer Oligarchen“ strafen. Die Sinnhaftigkeit solcher Verlautbarungen angesichts ohnehin unterbrochener Lieferketten dürfte ebenso in Frage stehen wie die Tugendhaftigkeit, auf die man sich neuerdings beruft, ausschließlich ostwärts allerdings. Am Ende zahlt fürs Moralin nur ihre Kundschaft mehr. Und was hätte der Dichter Puschkin dazu gesagt? Er hätte sein Haupt gebeugt über dieses Häufchen und seufzend erklärt: „Ja, ja, die Illusion, die uns verherrlicht, ist uns lieber als zehntausend Wahrheiten“.
© Foto: Jane Wegewitz, 05.03.2022
Notizen vom Rande 3: Ohne Titel
Notizen vom Rande 2: Danke, Diakonie!
„DANKE! IHR GEIMPFTEN.“ Die Mühen der Ebene (vgl. campagne) werden einmal mehr augenscheinlich. Auf den „großformatigen violetten Plakaten im bewährten Design“ (diakonie.de) verkünden die gläubigen Nachfolger nur Eines: Ihr Verständnis vom sozialen Handeln, erwachend aus christlichem Glauben, ist ein an staatliche Politik angebundenes. Es geht bei der Impfkampagne, in deren Dienst sich die Diakonie nun noch so tüchtig stellt, weder um Überzeugungsarbeit, noch um Nächstenliebe. Pandemisch ist inzwischen der Gleichschritt zu nennen, in den dieses Land verfallen ist. Gerade in Rückschau auf ihre eigene Geschichte hätte die Diakonie gut daran getan, sich diesem zu verweigern und ihrem eigenen Leitbild zu vertrauen. „Die Einsicht in Versagen und Schuld der Vergangenheit schärft das Gewissen.“, steht dort zu lesen.
© Foto: Jane Wegewitz, 26.02.2022
Notizen vom Rande 1: Bitte, Pause vom _!
Ich bitte um eine Verschnaufpause. Ich kann es nicht mehr hören, nicht mehr lesen, e_al ob 2-_ oder 3-_ oder/und _+, bitte lasst mich einfach in Ruhe. Zum Beispiel atmen. Ich rufe die _-Pause aus und _enieße inzwischen den be_innenden Frühlin_. Ich höre den Schnee_löckchen zu und ihrem leisen „plin_!“, dem Specht, seiner trommelnden Balz, ich suche Bärlauch dort, wo kein Hund sich erleichtert (nein, ich verrate nicht, wo) und ich erfreue mich der Sturmhimmel über der Stadt, auch wenn sie nichts _utes bedeuten und den letzten _iganten der Aue zusetzen. Sie fallen nur vor eurer Sä_e. Die Wolken aber, mit denen möchte ich mitziehen, ziellos, nur we_ von hier, fliehend vor eurer _nade, mich teilhaben zu lassen an eurem Leben, wenn ich doch nur … Ich bitte um eine Verschnaufpause vom _, von eurem Wenn und Aber und dann, wenn der Frühlin_ vorbei ist, die Schnee_löckchen verblüht, wenn der Specht nicht mehr trommelt, die Eschen und Ulmen, Eichen und Buchen _efallen sind, dann lasst uns schauen, ob _ noch zurückfindet, in:
Gedanken,
Gedichte,
Gefühl,
Gemeinsamkeit,
Gesundheit,
Gerechtigkeit,
Großherzigkeit,
Glanz,
Ganzheit,
Glück
und …?
(02/2022)
© Foto: Jane Wegewitz ("Kultursäule" privé seit Oktober 2021)
2021
2021
Die Akademie der Künste Sachsen-Anhalt zeigt vom 04.09. bis zum 17.10.2021 die sehr sehenswerte Ausstellung "Leni Sinclair – participant observer. Fotografien von 1960 bis 2000" im Literaturhaus Halle.
Die in Ostpreußen geborene und in Detroit lebende Fotografin ist eine wichtige Protagonistin von Michigans gegenkultureller Bewegung seit den frühen 60er Jahren. Ab etwa 1965 entstanden unzählige Fotografien dieser Szene, fotografische Dokumente großer Konzerte und ihrer Protagonisten, sowie Fotodokumente der revolutionären sozialen und politischen Unruhen Ende der 60er Jahre in Detroit, der hierzulande weitgehend unbekannten politisch radikalen Hippiebewegung sowie Bilder aus dem Alltag der Städte Detroit und Ann Arbor.
Anlässlich der Ausstellung erschien Anfang September ein Katalog mit einem Text von mir beim Mitteldeutschen Verlag.
© Foto: Leni Sinclair (MC5-Gitarrist Wayne Kramer, 1969), Cover-Gestaltung:
Tomas Blase
2020
2020
Vor einem Jahr luden Matthias Zielfeld und ich Passantinnen und Passanten zum 10-minütigem Videointerview, um ihre Erinnerungen an '89 aufzuzeichnen und mit anderen zu teilen. Was waren die Hoffnungen, was die Ängste in der Zeit des Umbruchs?
Mobiles Aufnahmestudio war ein kleiner Wohnwagen auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz und an drei Tagen entstanden 15 filmische Miniaturen, die von unterschiedlichsten Erfahrungen erzählen auf dem Weg zur „Deutschen Einheit“, zum Beitritt der DDR zur BRD am 3.10.1990.
Die entstandenen Videos wurden 2019 im Programm des FREI_RAUMS für Demokratie und Dialog der Stiftung Friedliche Revolution und im INTERIM der Cinémathèque Leipzig öffentlich gezeigt. Mit Dank an die Beteiligten stellen wir sie nun online für alle, die interessiert sind an den verschiedenen Aspekten der „Geschichte aus dem Interim“:
Teil 1
Teil 3
© Jane Wegewitz 2019
Ausgangsbeschränkt ins Sperrgebiet! Hier könnt ihr bis Dezember das Feature "Am Ende der Erinnerung – Erkundungen im Sperrgebiet Hradiště" anhören - viel Vergnügen dabei!
Sperrgebiet Hradiště, Blick auf die Grabkapelle der Zedtwitzer © Jane Wegewitz 2019
Zum Inhalt:
Einst eine der ärmsten Agrarlandschaften Europas, ein spärlich, vor der Vertreibung überwiegend von Deutschen besiedelter „vergessener Winkel Böhmens“, ist das Duppauer Gebirge, heute heißt es Doupovské hory, seit 1953 militärisches Sperrgebiet. In Hradiště, so die Kurzbezeichnung, sind im Ergebnis jahrzehntelanger Manöverübungen beinahe 70 Ortschaften verschwunden, gleichzeitig hat sich die weitgehende Isolation, die Abwesenheit des Menschen und seiner Ökonomie, positiv auf die Ökologie des Gebietes ausgewirkt.
Das Lapidarium auf dem Vintiřovsky vrch bei Radonice u Kadaně, früher der Winteritzer Kapellenberg, ist der Ausgangspunkt der Recherchen der Autorin. Artefakte, Steine der nicht mehr existierenden Siedlungen aus dem Duppauer Gebirge werden hier seit 2003 gesammelt. Ich habe mit einer Sondergenehmigung die Zone betreten, eine Grenze hinter der Grenze überwunden, einen Teil des Gebirges erkunden können, und mich in das Spannungsfeld begeben zwischen schwindenden Erinnerungen, Spuren der zerstörerischen Kraft von Kriegsübungen und der Entstehung neuer Biotope. Was erzählt eine Landschaft, in der Zerstörung und ungestörtes Wachstum so nah beieinander liegen, in der man auf geschichtsträchtigem Boden geht, Spuren folgt, die im Dickicht entdeckt sein möchten? Was wissen die Reisebegleiter vom Truppenübungsplatz und der Agentur für Landschaftsschutz Tschechiens über die Historie, was wünschen sie sich für die Zukunft und ist es möglich, die Einzigartigkeit der Doupovské hory in Worte und Töne zu fassen?
Realisation: Recherche 2016, Produktion 2018 (52:39 Min.)
Sprecherinnen und Sprecher: Karoline Knappe, Jörg Miethe und die Autorin
Regie: die Autorin
Ton und Schnitt: Patrick Becker, Bromologic-Tonstudio
Übersetzung: Monika Gibelová, Peter Fargaš
Ausschnitt „Konec srpna v hotelu Ozon“: mit freundlicher Genehmigung des Filmrechte-Inhabers, dem Militärhistorischen Institut Prag
Produktion: Jane Wegewitz 2018
Im Falle euch als Hörerinnen und Hörer des Features ist eine finanzielle Zuwendung möglich, so erbitte ich diese als Spende an medico international - danke!
2019
2019
5.11., 19 Uhr, Interim (Demmeringstraße 32): "Nachbarn auf Zeit" - Vortrag/Lesung zur Geschichte jüdischen Lebens in Leipzigs Westen (Schleußig und Plagwitz), mit Tom Pürschel
ab 14.9. "Geschichte aus dem Interim" (Video-Interviews, mit Matthias Zielfeld), Wilhelm-Leuschner-Platz, Leipzig, Screenings ab 21.9. FREI_RAUM für Demokratie und Dialog, ab 1.11. Interim der Cinémathèque Leipzig
Stadtführungen (dt./engl.) im Rahmen der Jüdischen Woche 2019 (mit Helen Reichelt):
Mi, 26.6., 14 Uhr, Schritt für Schritt – Jüdische Lebenserinnerungen in Leipzigs Stadtraum: „Die Carlebachschule“
Fr, 28.6., 16 Uhr
Schritt für Schritt – Jüdische Lebenserinnerungen in Leipzigs Stadtraum: „Leipzigs große Synagogen“
Die Veranstaltungen waren ein Angebot von EnterHistory! und stellten den Teilnehmenden auch das Projekt "ReMembering - Jüdische Lebenserinnerungen" vor.
ab April 2019 FREI_RAUM für Demokratie und Dialog der Stiftung Friedliche Revolution (Programm, Organisation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
10.5.19, 14 - 20 Uhr: LeseZeichen Leipzig - Open-Air-Lesung zum Gedenken an die Bücherverbrennungen 1933 (Programm, Organisation, Öffentlichkeitsarbeit, mit dem Initiativkreis 9. November)
"ReMembering - Jüdische Lebenserinnerungen" (Fortsetzung, Infos zum Projekt auch bei Medaon)
2012 – 2018
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2018
Fortsetzung "ReMembering - Jüdische Lebenserinnerungen. Ein Netzwerk zur Stadtgeschichte Leipzigs" (Projekt von EnterHistory!) mit vier Workshops (Idee, Organisation, Leitung), Überarbeitung der Web-Präsenz mit Netzwerkdarstellung
8.11.18 Netzwerktag "Es war einmal?" (Idee, Organisation, Leitung)
10.11.18 Workshop zur jüdischen Geschichte Leipzigs (Taborgemeinde, mit Tom Pürschel)
2017
23.3.2017, 20 Uhr, "Broder, Cerf & Löbl - Nachbarn auf Zeit", Lindenfels Westflügel, Buchpremiere mit Lesung
"ReMembering - Jüdische Lebenserinnerungen. Ein Netzwerk zur Stadtgeschichte Leipzigs" (Projekt von EnterHistory! ab 1.5.
19.6.2017, 18:30 Uhr, "Broder, Cerf & Löbl - Nachbarn auf Zeit", Stadtteilpark Plagwitz/Konsumzentrale, Open Air-Lesung (im Rahmen der Jüdische Woche 2017, gefördert von der LEIPZIGSTIFTUNG, unterstützt von KONSUM Leipzig)
2016
27.1.2016, 18:30 Uhr, Neueröffnung der Ausstellung „Next-Door Neighbours" (Bethanienkirche, Leipzig, Stieglitzstraße 42)
10.2.2016, 19:30 Uhr, Vortrag zu "Jüdischem Leben in Leipzig-Schleußig von 1900 bis 1941" (mit Tom Pürschel, Bethanienkirche Leipzig)
"Am Ende der Erinnerung - Erkundungen im Sperrgebiet Hradiště" (ab Februar 2016, laufend)
4.9.2016, Neueröffnung der Ausstellung „Next-Door Neighbours" (Ariowitsch-Haus, Leipzig, Hinrichsenstraße 14)
"Zone und Fiktion" (in Vorbereitung)
"ReMembering Leipzig" (in Vorbereitung)
2015
„Next-Door Neighbours" (Ausstellungsprojekt, Eröffnung am 29.6.2015)
"Fluchtpunkte" (Wanderung, Arbeit am Manuskript für ein literarisches Hörstück, Sammlung von Tonmaterial)
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